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Das Letzte 26.05.10
   
 



Nach nur einer Nacht hatte „der Kurt“, mein Showa, eine auffällige Wunde auf seiner rechten Körperseite. Wenige aufgestellte Schuppen und eine begrenzte Hautrötung konnte ich erkennen.
Die Fische hatten den Umzug in ihre Innenhälterung (IH) einige Tage zuvor doch gut überstanden!?  Und mit dem „eingefahrenen“ Filtermaterial aus dem Außenteich war der Filter sofort belastbar. Alle Wasser-Parameter wurden überprüft und waren seit Tagen im „grünen“ Bereich.
Wie konnte es jetzt dazu kommen? Ich stand vor einem Rätsel. Hatte ich etwas übersehen? Die folgende mikroskopische Untersuchung eines Hautabstriches, vom Kurt,  war ohne Befund. Parasiten waren jedenfalls nicht zu erkennen. War es vielleicht eine bakterielle Infektion, als Folge eines anderen Problems?
Die Antwort auf diese Fragen kam überraschend – und nur dank meiner eher zufälligen Beobachtung – zutage.Während der Fütterung  lief der IH-Skimmer im Standby-Betrieb. Eine milchig-helle Ansammlung der `geskimmten` Kahmhaut drehte sich im Ablauf.
 








Die mikroskopische Untersuchung dieser Grenzschicht war positiv.
 Klick hier > Film Cercarie 



Ich habe leider nur das etwas unscharfe Video. Darum noch die Skizze, hier rechts.



Nun galt es, die mir bis dahin fremden, auffällig agilen Tierchen einer Art zuzuordnen.
Es liegt in unserer Hand, die fischpathogenen Einflüsse in unseren Teichen zu reduzieren. Das wird uns nur gelingen, wenn wir den Ursachen auf den Grund gehen, uns mit dieser Thematik befassen.

         Nach meiner zufälligen Begegnung mit parasitierenden Trematoden der Gattung
                                                   
                                                      Tylodelphys

                             kann ich hiermit vielleicht etwas dazu beitragen.

Eine Krankheitsquelle ist sicher auf die Existenz von Wasserschnecken im Teich zurückzuführen. Wasserschnecken sind dafür bekannt, dass sie unzähligen Arten von Schmarotzerwürmern als Wirt der ersten Wahl dienen.

Dem Hobbyisten wird der Nachweis der unterschiedlichen Schmarotzerwürmer sicherlich schwer fallen und unter normalen Umständen wird man Cercarien dieser Wurmarten nicht in einem der üblichen Hautabstriche antreffen. Jungstadien der unterschiedlichen Trematoden kommen unter der  Haut, in Muskulatur, Augen, Kiemen, Blut und Organen von Fischen vor.

Einen Befall durch Cercarien werden wir demnach nur unter günstigen Umständen und wenn überhaupt, erst auf grund einer Augen-Linsentrübung eines befallenen Koi in Erwägung ziehen. Die genaue Artdiagnose anhand einzelner Merkmale verschiedener Cercarien bzw. Metacercarien ist darüber hinaus sehr schwierig.

Larven verschiedener Arten befallen die Augen von Fischen. So auch die Gattung Tylodelpyhys Clavata“ (nach Kozicka u. Niewiadomska, 1960), die ich – da bin ich mir schon sicher- in der Probe der Kahmhaut fand.
                                           Zum Entwicklungskreislauf:

Der Wurm gelangt oft über den Kot von fischfressenden Vögeln ins Wasser. Aus darin enthaltenen, befruchteten Eiern schlüpfen freischwimmende Wimpernlarven. Diese bohren sich in den Körper der Wasserschnecken ein. In diesem 1. Zwischenwirt wächst die Wimpernlarve heran und binnen 3 Wochen entstehen innerhalb einer Zyste mehrere Tochterindividuen (die Cercarien), die lebend geboren werden. Der sich anschließende Generationswechsel ist verbunden mit einem Wirtswechsel.  Hierzu verlassen die invasionsfähigen Cercarien die Schnecke. Größere Wirtsschnecken (z.B.  Limnea stagnalis) können täglich einige tausend Cercarien ausscheiden. Die Cercarienfreisetzung aus Schnecken kann noch bei Wassertemperaturen von unter 6°C erfolgen. Sie schwärmen dann ins Wasser aus und verharren schließlich (Verhalten sich dabei themotaktisch und thigmotaktisch) bis sie mit einem Fisch (2. ZW)   in „Fühlungnahme“ kommen, in den sie sich schnell hineinbohren.  Cercarien können auf der gesamten  Körperfläche eines Fisches eindringen.

Die Wanderung „meiner T. clavata“  im Fisch erfolgt über das subkutane Bindegewebe und die Muskulatur, durch aktive, gerichtete Wanderung zum Auge (die Wandergeschwindig-keit der eingedrungenen Cercarie ist abhängig von der Temperatur und bis zu 5mm/h schnell).Wenn die Cercarien ihr Ziel erreicht haben, entwickeln sie sich im Auge zu Metacercarien und können dort viele Monate überleben (nach Sigin,1964, bis zu  4 Jahre).

Schäden verursachen die eindringenden und wandernden Cercarien und weniger die fertigentwickelten Metacercarien im Auge.
Im Auge führt die Anwesenheit der Metacercarien zu einer Schädigung der Linse und des Glaskörpers. Eine manchmal sichtbare, weißliche Trübung der Linse, eine Erblindung (Wurmstar) und eine Vorwölbung der Hornhaut können auftreten. Die Empfindlichkeit der verschiedenen Fischarten ist unterschiedlich. Karpfen werden als Zwischenwirt gern genommen, sind bei nur geringem Befall aber relativ unempfindlich. Viel problematischer sind ggf. die Sekundärerkrankungen (die wir vielleicht gern einem Sonnenbrand :-), oder dem Lochsyndrom, usw. zuschreiben?).

Werden in der freien Natur befallene Fische durch Wasservögel gefressen, dann entwickeln sie sich in diesem Endwirt von der Metacercarie zum Wurm heran und werden dort geschlechtsreif. Befruchtete Wurmeier gelangen schließlich über den Kot der Vögel wieder in das Wasser und der Kreislauf beginnt erneut. 

Soviel zu Tylodelpyhys - Clavata und den Diplostomidosen des Auges. Andere Schmarotzerwürmer (es gibt weit mehr als 20000 bekannte Arten von digenetischen Trematoden), sind verantwortlich für die Schwarzfleckenkrankheit (Posthodiplostomose). Diese Cercarien wandern nicht. Andere Digenea (z.B. Neascus) kapseln sich als Metacercarie in die Haut ein. Der Fisch bildet um die eingekapselte Metacercarie eine weiße Schicht. Schwarze oder weiße Pünktchen lassen sich dann in einem äußerlich sichtbaren Knoten erkennen. Wieder andere Digenea wandern in die inneren Organe oder in die Blutbahnen.

Nach meinem heutigen Wissensstand gibt es kein geeignetes Mittel um befallene Koi zu behandeln. Eine Immunitätsausbildung, nach vorangegangenem Befall, bietet ebenfalls keinen sicheren Schutz vor Infektionen. Wichtig ist die Vernichtung von möglicherweise infizierten Schnecken. Den Wasservögeln sollte man die Überflugsrechte und die Landeerlaubnis verweigern.
Kürzlich habe ich einige kleine Wasserschnecken aus meinem Filter entnommen und mikroskopisch untersucht. Ergebnis : > Positiv !

(Ein Bild/Film von den zerrupften Schnecken mit den Larven stelle ich noch ein)

 
Noch etwas:

Den Freunden von Sushi-Gerichten sei gesagt, dass „SIE“ als Endwirt für viele Arten von Metacercarien und den Nematoden sehr wohl in Frage kommen.
 
                                                        Guten Appetit

Nach 6 Monaten ging es dem Koi sehr schlecht. Er wurde sehr schreckhaft und konnte nicht mehr sehen.  So musste ich ihm weiteres Leid ersparen.