Karpfenpocken sind gutartige, langsamwachsende Wucherungen der Oberhaut, die sich nicht einfach abwischen lassen und im Verlauf der Krankheit immer größere Bereiche befallen. Die Namensgebung geht auf von Gesner, im Jahre 1563 zurück. Viel später konnte Schubert (1964) den Nachweis erbringen, dass diese Krankheit durch ein DNS-Virus ausgelöst wird. Die Inkubationszeit beträgt ca. 6 Monate (Schäperclaus 1979). In Nutzkarpfenteichen konnte nicht selten eine Erkrankungsquote von 30% beobachtet werden. Entscheidend ist dabei, neben den Hälterungsbedingungen, die individuelle Pockenanfälligkeit der Fische.
W. Baur, J. Rapp, 1988 in „Gesunde Fische“ : Es scheint eine gewisse Anfälligkeit unter bestimmten Stämmen der einzelnen Fischarten für diese Erkrankung zu bestehen.//
Durch erfolgreiche, selektive Karpfenzüchtungen (Töten der Karpfen mit unerwünschten Erbanlagen und Krankheitssymptomen ) und eine verbesserte Haltung und Fütterung konnte die Zahl an Neuerkrankungen, in der Fischzucht der damaligen DDR, auf beinahe 0% gebracht werden. Schäperclaus (1979) : Sind Nutzfischbestände erkrankt, so ist der gesamte Bestand oder der selektierte erkrankte Teil zu merzen. ..... Zur Prophylaxe eignet sich am besten die konsequente Durchsetzung von Körnungsgrundsätzen, die alle Karpfen mit Letalfaktoren, Erbfehlern und Pockenverdacht ausschließen.//
Mit den Prozentzahlen betreffend der Neuerkrankungen in unseren Koi-Teichen geht es offensichtlich in die andere Richtung. Mich würde einmal interessieren, ob CyHv I in der Koizucht überhaupt eine Rolle spielt? Dieses Problem überlässt man ggf. dem Koi-Hobbyisten. Die Deppen werden es wohl nicht bemerken. Stimmt vielleicht... wie auch!
Nach der Inkubationszeit wird die Erkrankung vielleicht erst auf einem K1/K2 entdeckt Als chronische Krankheit kann sie jahrelang unbemerkt in einem infizierten Fisch „mitschwimmen“. Die Erkrankung beginnt beim Koi gewöhnlich an den Flossen, sehr oft an der Schwanzflosse, mit rötlichen bis milchig-trüben, gallertartigen Oberhautwucherungen und kann bei schwerem Verlauf den gesamten Körper abdecken.
Bei schweren Erkrankungen folgen eine Abmagerung und eine Knochenweiche (Osteomalacie). W. Schäperclaus: Die Bedeutung der Fischpocken liegt jedoch vor allem in der Übertragbarkeit, der Wachstumsverschlechterung um bis zu 50% und der Minderung des Markwertes durch unansehnliches Äußeres.//
Medikamentöse Behandlungen sind bis heute nicht möglich. Wenn man die Umweltbedingungen für die Fische verbessert, lassen sich sichtbare Neuerkrankungen eindämmen. Der Ausbruch der Krankheit wird begünstigt durch jede Art von Stress (Milieuveränderung) und tritt häufig erstmals in Verbindung mit niedrigen Wassertemperaturen im Frühjahr auf.
J.Hoffmann, F.Geldhauser, P.Gerstner in „Der Teichwirt“ (1987) hierzu: Die befallenen Fische erholen sich, wenn man sie in einen guten Teich setzt und mit hochwertigem Futter füttert. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Teiche mit stark lehmigen Boden hierzu besonders gut eignen.//
Hat ein Fisch die erste Phase der Pockenerkrankung einmal überstanden, kommt es dennoch häufig zu Wirbelsäulenverkrümmungen und Deformationen der Schädelknochen. Dass Karpfen an CyHv I verenden, ist eher selten.
Karpfenpocken lassen sich operativ entfernen. Wenn ihr Zeitpunkt gekommen ist, werden sie aber wieder und wieder in Erscheinung treten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies langfristig nichts bringt. Und es geht auch anders. Im warmen Wasser verschwinden die Pocken viel schneller als sie gekommen sind. In meinem Aquarium dauerte es bei 25°C nur 5 Tage. In meiner Innenhälterung (15°C) mit einem Meersalzgehalt von ü. 0,3% traten Neuerkrankungen bisher nicht auf. Als Laie, auf einem Ichthyopathologen-Trip, führe dies u.a. auf die im Salz enthaltenen Spurenelemente zurück Die Verwendung meines UV-C Tauchstrahlers trägt sicher auch dazu bei. Über die Übertragungsmechanismen dieser Krankheit ist noch nicht sehr viel bekannt.(Vielleicht braucht´s noch mal 445 Jahre dazu) Ich kann die Krankheit unter meinen Fischen nicht bekämpfen. Einige meiner Koi sind latent infiziert und für eine Selektion ist es wohl zu spät. Da müssen WIR nun durch.