Hier stelle ich Ihnen den „Ichthyo“ vor. Einen Fischparasiten, den man als Hobbyist unbedingt (er)kennen muss. Früher oder später lernt man `Ihn` sonst kennen. Gerade im Zierfischbereich, in dicht bevölkerten Aquarien, oder in unseren kleinen Teichen ist er als echter Krankmacher gefürchtet. Hier ist die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Erkrankung einige tausend- bis millionenmal größer. Geschwächter Fischbestand wird besonders gern befallen.
Ichthyos kommen bei allen Fischen vor. Junge Entwicklungsstadien dieser Parasiten, die Schwärmer, werden in aller Regel nicht erkannt, weil sie am Anfang einer Invasion kaum in Erscheinung treten. Das blöde daran ist nur, dass man den Ichthyo nur in dieser jungen Lebensphase angreifen kann. Schnell und anfangs unauffällig `besetzt` er sonst einen Wirtsfisch. Und, er ist nicht allein!
Zum Krankheitsbild
Alle Bereiche des Fisches können betroffen sein. Die Parasiten schmarotzen in der Haut, Flossen und Kiemen. Auf starken Juckreiz reagieren die Koi mit schütteln und zucken der Flossen, mit Flossenklemmen und heftigen, scheuernden Bewegungen, um den Parasiten abzustreifen. Bald stehen sie auch träge am Teichrand oder im Bereich des Wassereinlaufes. Dies ist ein Anzeichen zunehmender Atemnot.
Einzelne weiße Pünktchen in einer Größe zwischen 0,2 und bis 1mm sind Ichthyo´s `Markenzeichen`. Diese Grieskörnchen können sich auch optisch zu größeren Flecken vereinen, weil die Fische hierauf mit starker Schleimbildung reagieren. (Schäperclaus, 1979 : Unter der Epidermis bilden die Schwärmer Gänge und Hohlräume, in denen sich bei starkem Befall bis zu 100 Parasiten treffen können. Sie wachsen dort gemeinsam auf. ... Die Oberhaut wird an der Stelle des Befalls durch Wucherungen verstärkt.)
Die Unterhaut ist an den Stellen, wo sich die Parasiten befinden, meist stark entzündet und mit Blut überfüllt. Der Parasit kann auch in die Dermis eindringen und Blutgefäße verletzen. Sind die Kiemen betroffen, lassen sich dort fleckige Aufhellungen erkennen. Hines und Spira (1974) untersuchten u.a. die Blutionenkonzentration von befallenen Spiegelkarpfen und fanden heraus, dass die Ionenkonzentration von Natrium und Magnesium im Blut-Serum deutlich erniedrigt war. Es zeigte sich auch, dass die Sauerstoffabsorption im Blut deutlich herabgesetzt war. Mittels mikroskopischer Untersuchung wird der Parasit sichtbar. Um einen Beleg für Ichthyo zu erhalten, sollten Sie aber nicht nur nach dem hellen, hufeisenförmigen Kern Ausschau halten.
In seinem Lebenslauf variiert sein Aussehen. So zeigt er sich uns nur für einen kurzen Lebensabschnitt. Durch aufgenommene Nahrung verfärbt er sich dunkel und so ist sein Kern ggf. auch schwer zu erkennen. Die Freiwasserschwärmer sind eher birnenförmig, sehr klein und ständig in Bewegung.
(die 2 Bilder sind von Chagoi, Koi.de)
Lebenszyklus
Im Lebenslauf dieses Parasiten können wir ein Hautstadium, ein Bodenstadium und ein Schwärmerstadium unterscheiden. Ein Zyklus kann bei 25°C in nur 4 bis 6 Tagen vollzogen sein. Unter weniger günstigen Umständen können aber auch einige Wochen vergehen, bis der `Kreislauf` abgeschlossen ist.
Ichthyo vermehren sich durch ungeschlechtliche Zellteilung innerhalb einer klebrigen Zyste/Gallerthülle (wissenschaftlich: Tomont) In der abgefallenen Zyste entstehen so binnen kurzer Zeit Tochterzellen (Theront). Hohe Temperaturen beschleunigen ihre Entwicklung. (15-20 Std.Amlacher, 7-8 Std, lt.Schäperclaus) Beschleunigend wirken auch erhöhte Ammoniak und pH Werte. In diesem eigentlichen `Bodenstadion` ( man findet sie aber auch auf den Fischen) entstehen pro Zyste 256 bis 1024 Schwärmer (Schäperclaus 1979). Haben die Schwärmer ihre Zyste verlassen nehmen sie eine birnenförmige Gestalt an. Die Lebensfähigkeit dieser Freiwasserschwärmer ist auf etwa 2 bis 3 Tage (Amlacher, Baur, Rapp) begrenzt.
Unter 2-3°C und über 27° bis 28 °C entwickeln sich keine Schwärmer. Es werden pH werte von 6 bis 10 toleriert. In Erwartung auf einen Wirtsfisch halten sich die Schwärmer gern in hellen, warmen und sauerstoffreichen Wasserschichten auf. Siehe Salz. Die erfolgreichen Tierchen bahnen sich leicht rotierend und mit Hilfe ihrer Flimmerhärchen einen Weg durch die Schleimhaut des Fisches. Ihre Nahrung besteht aus Schleimhaut, Gewebesäften und Hautzellen. Nach etwa 1-3 Wochen sind die Erwachsenen (Tropont), unter der Oberhaut sitzenden und in dieser Zeit unangreifbaren Ichthyos soweit, dass sie den Fisch wieder verlassen können. Sie durchbohren die Haut und `steigen aus`. Ein Lebenszyklus ist beendet.
Behandlung
Die jungen Schwärmerstadien sind für den Fisch wesentlich gefährlicher als erwachsene Parasiten. Haben Fische den Schwärmerbefall und die erste Wachstumsphase in der Haut überlebt, treten meist keine Todesfälle mehr auf. Entscheidend ist der Grad/die Schwere der Erkrankung. Nach überstandener Krankheit haben Karpfen eine echte Immunität gegen Ichthyo aufgebaut. Diese sollte ihnen dann einige Monate erhalten bleiben. Die Schwärmer sind dann nicht mehr in der Lage durch die Schleimschicht der „geschulten“ Fische durchzudringen.
Da erwachsene Ichthyos nicht direkt abgetötet werden können, sollten wir in der Phase der Schwärmerbildung zuschlagen. Es gibt eine ganze Reihe von (teils sehr gefährlichen) Anti-Ichthyo-Kampfmitteln, die von Hobbyisten und Experten zum Einsatz gebracht werden. Das muss nicht sein! Salzdauerbäder sind als Heilverfahren und zur Prophylaxe gut geeignet. In frühen Stadien kann man auch die schon in die Schleimhaut eingedrungenen Parasiten durch ein Salztauchbad noch entfernen. (siehe Seite 12, unten) Ein Einschleppen von Ichthyo kann man verhindern, indem man neue Fische für 4-6 Wochen in eine salzige Quarantäne nimmt. Neue Wasserpflanzen sind nach 3 Tagen der Hälterung ohne Fische als Ichthyofrei anzusehen. Bei Befall müssen die Hälterungsbedingungen verbessert werden. Häufige Teilwasserwechsel sind dann dringend notwendig. In der Fachliteratur fand ich Hinweise darauf, dass sich die Schwärmer vorzugsweise in helleren, warmen und sauerstoffreichen Bereichen des Gewässers aufhalten. Für diesen Fall sollte der Wasserabfluss über den Skimmer gut funktionieren. Wenn sie die Möglichkeit haben, untersuchen Sie doch auch einmal die geskimmte Kahmhaut ihres Teiches unter dem Mikroskop. Da kommt man schnell ins Schwärmen. :-)
Noch ein Tipp. Eine Sonnenbrille mit leichter Tönung und Polarisationsfilter ist sehr hilfreich bei der Fisch-Beobachtung und Ichthyojagd.