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                                                  Koi-Krankheiten  I              Stand 08.09.08
Die Beseitigung der Koi-Krankheiten in unseren Teichen ist äußerst schwierig. In den mir vorliegenden Hobby-Doc-Koi-Büchern werden einige Mittel zur Bekämpfung der Parasiten genannt und im Internet werden von Hobby-Koi-Experten gerade in Mode gekommene Chemiekeulen angepriesen. Dosierungsanleitungen und Handhabungsanleitungen für ihre `Anti-Para-Chemie`, die jeder möglichst günstig in Raiffeisenmärkten, Zooabteilungen oder in Apotheken erwerben kann, werden gleich mitgereicht. Wirklich hilfreiche Maßnahmen gegen Parasiten werden kaum diskutiert oder sie finden wenig Beachtung beim Hobbyisten. So wiederholt sich alles, immer wieder, auch der erneute Griff in die `Giftkiste`. Nur die Dosierung wird vielleicht erhöht.

Zitat Erwin Amlacher,1981.  Eine Krankheit erkennen, heißt die erste Voraussetzung zu ihrer Bekämpfung schaffen. Um aber eine Krankheit zu erkennen, eine Diagnose zu stellen, bedarf es eines Untersuchungsganges, der meist mit der Feststellung der Vorgeschichte (Anamnese) der Krankheit beginnt und über die Voruntersuchung (äußere Betrachtung) zur eigentlichen Untersuchung (Sektion, histologische, hämatologische, bakteriologische und virologische Analyse) führt.

Ich möchte ihnen hier auf meiner HP nur ein paar Anhaltspunkte zu den häufigsten Koi-Krankheiten geben. Gezielte und gesicherte Behandlungsmethoden besprechen sie bei Bedarf bitte mit einem spezialisierten Experten/Tierarzt.
 
                                                  Hakensaugwürmer


Diesen kleinen, knuddelig-freundlichen Kerl,  werde ich ihnen hier u.a. mal vorstellen.

"Sage uns, wer bist du?"
                            "Dactylogyrus...   äh.... D. Vastator", vielleicht?
Na also, es geht doch!

                                                 Kiemenwurm
 Mit einem einfachen Mikroskop und schon bei etwa 100facher Vergrößerung lassen sich die meist zwischen 0,5 – 1,0mm großen Dactylogyrus-Arten (viele Arten sind zwischen-zeitlich erkannt und benannt) leicht auffinden. Sehr schwierig und für uns beinahe unmöglich ist es, wenn man eine genauere Artzugehörigkeit erkennen will. Ob ich im obigen Bild tatsächlich einen `Vastator` abgebildet habe kann ich unmöglich sagen. Wenn wir sicher zwischen einem Hautsaugwurm und dem Kiemenwurm unterscheiden können und vielleicht noch etwas über die Biologie dieser Parasiten wissen, ist uns im Hobbybereich aber schon sehr geholfen.

In Freiheit, auf ihrem Wirtsfisch, bewegen sich die Würmer wie eine Spann-Raupe vorwärts. Mit ihrem Haftapparat und den zwei kräftigen Zentralhaken am Körperende finden sie sicheren Halt in den Kiemen und auf der Haut ihres Gastgebers. Ihre Beweglichkeit ist auffällig. Zwischen Objektträger und dem Deckglas geht das schlecht und so bleibt ihnen hier nur die Bewegung auf horizontaler Ebene. In einem frischen Präparat sind die agilen Würmchen aber aufgrund ihrer `Fluchtbemühungen` leicht auszumachen.
Am vorderen 4 zipfeligen Körperende haben alle Dactylogyrus 4 Augen, an denen sie sich  unschwer erkennen lassen. Im Laufe seines Lebens legt der Kiemenwurm etliche (Dauer-)Eier, aus denen später Hakenwimperlarven schlüpfen. Viele Eier lösen sich aus den Kiemen ab und sinken auf den Boden. Der Nachwuchs kann unter günstigen Umständen ( Temperaturen ü.5°C) auch gleich schlüpfen oder aber auf eine bessere Gelegenheit im nächsten Frühjahr warten. 

Ein paar wichtige Daten zum Kiemenwurm Dactylogyrus (Vastator)
(Quelle W. Schäperclaus, Fischkrankheiten 1971 )
Die Entwicklung bis zur Hakenwimpernlarve ist stark Temperaturabhängig.

Sie entwickeln sich nach der Eiablage:
Bei 8° C in 27-28 Tagen
bei 12° C in 10-15 Tagen
bei 20° C in  3 - 5 Tagen und
bei 24 -28° C  in nur 1-4 Tagen.

Bei Wassertemperaturen von 2°C ist den Eiern eine Überwinterungsmöglichkeit selbst in einer Wasserpfütze möglich. Die nächste Generation kann sich jedenfalls Zeit lassen. Dafür ruht `D` ja in relativ belastbaren Dauereiern.
Die Entwicklung von der Festheftung der Larven an die Kiemen bis zum Beginn der Eiproduktion als Adultwurm dauert bei  17-20°C  etwa 7Tage und bei 24-28°C bis zu 5Tage. Die Lebenserwartung der erwachsenen Würmer liegt dann noch bei etwa 5-9 Tagen. Ohne Wirtsfisch kann der Erwachsene Wurm bei 20° C  für 4-6 Tage überleben. Bei 4°C sogar bis zu 11 Tagen. Freischwimmende Wimpernlarven überleben nur für 6-24 Std.  In Erwartung auf einen Wirt zu treffen,  halten sie sich dann vorwiegend in den oberen Wasserschichten auf.
Die optimale Temperatur für die Fortpflanzung und Ausbreitung des D.Vastator  liegt zwischen 22 und 24°C. Für einige `europäische` Kiemenwurmarten liegen die günstigsten Temperaturen ein wenig darunter.
In dieser Zeit kann `D` unter günstigen Gegebenheiten täglich etwa 25 Eier produzieren. Neben hohen Temperaturen begünstigen ein geringer Sauerstoffgehalt, hohe Besatzdichte, schwache oder junge Fische und die Laichzeit der Koi seine Verbreitung. Dann kann es zu einer explosionsartigen Vermehrung der Würmer kommen.

Erwachsene `D` leben mit Vorliebe auf den Kiemen und zerstören dort die Zellschichten. Larve und Wurm ernähren sich von Gewebe, Schleim und Blut.
Starke Schleimbildung und Sauerstoffmangel sind die Folge der Kiemenzerstörung und können bis zum Tod der befallenen Koi führen. Betroffene Fische werden erst unruhig, halten sich in Zuflussnähe oder an der Oberfläche auf. Sie fressen schlecht und magern ab. Stärkerer Befall wird  ggf. durch eine Verdickung der Kiemenränder und durch geöffnete Kiemendeckel auffällig. Die Kiemen sehen dann fleckig aus und werden grau.
(Achtung: leichte Verwechslung mit Kiemenfäule!)                                       

                                           

                                       Ein Blick auf  gesunde Kiemen
Wollen wir langfristig erfolgreich gegen den Kiemenwurm vorgehen bringt uns nur das Wissen um seinen Lebenszyklus weiter. Zu jedem Zeitpunkt kann man alle Entwicklungsstadien der Würmer auffinden. Alle Anwendungen werden scheitern, wenn die Wurmeier nicht gründlich vernichtet werden. Rundumschläge mit den unterschiedlichsten Mittelchen sind wenig hilfreich. Man schiebt das Problem nur vor sich her und die Fische werden immer wieder den Chemikalien ausgesetzt und dadurch dann gewiss vergiftet.

Wenn Sie auf Kiemenwürmer stoßen, halten sie vielleicht auch einmal Ausschau nach der nächsten Dactylogyrus-Generation. Ihre Wurmeier erkennt man an kleinen dreieckigen Gebilden mit etwas abgerundeten Ecken. Die meisten Mittel töten die freien Larven und die erwachsenen Schmarotzer zwar ab, nicht aber deren Eier. Selbst die Eier in den abgetöteten und zu Boden sinkenden Adultwürmern erwachen eines Tages zum Leben. Je nach Jahreszeit ggf. aber erst im folgenden Frühjahr. 
 

                                      Hautsaugwurm  Gyrodactylus
Der Hautsaugwurm ist nur unwesentlich kleiner als der Dactylogyrus und misst 0,25-0,8 mm. Am vorderen Ende hat er 2 Zipfel. Wie Sie auf dem Foto sehen, sieht er nichts. Er ist augenlos. Er besitzt eine Haftscheibe mit 16 Randhaken und 2 kräftigen Zentralhaken, mit deren Hilfe er sich anheftet und fortbewegt. Mehr als 400 Arten des Gyrodactylus sind auf Erden mittlerweile erkannt und benannt. Schauen Sie selbst.  ( www.gyrodb.net

Man könnte sagen, G. ist ein Zwitter. Während seines kurzen Lebens kann er (sie, es)  verschiedene „Vermehrungsmodi“ einnehmen, durch die eine asexuelle Reproduktion  möglich ist.  Im Innern lässt sich (sogar auf meinem Foto) ein Tochtertier erkennen. In diesem können ein Enkeltier und ein Urenkelwurm  heranwachsen. So können bis zu 4 Generationen beobachtet werden. Er ist lebendgebärend.
Seine stärkste Vermehrung ist mit der Laichzeit seiner Wirtstiere korreliert. Einige Arten z.B. auf dem Guppy `produzieren sich` bei 25°C innerhalb von nur 24Std. Theoretisch können aus einem Wurm innerhalb kurzer Zeit zigtausend Nachkommen entstehen.

Neugeborene Würmchen verbleiben möglichst auf ihrem Carrier. Wenn es dennoch zu einem Ortswechsel auf andere Wirts-Fische kommt, dann vornehmlich durch Kontakte zwischen den Fischen. Verliert ein Würmchen mal seinen Wirt, weil er `abgeworfen` wurde und gelangt ins freie Wasser, überlebt er weitere 5-10 Tage.

`Drei in Eins`                               Hautsaugwurm
Die für uns hauptsächlich interessanten G`s. ernähren sich mit Vorliebe von Oberhautzellen und zerstören sie hierdurch. In frühen Befallstadien bilden sich zunächst blaugraue Schleimschichten. Bereiche der Haut verfärben sich und an kleinen rötlichen Stellen lassen sich die akut betroffenen `Standorte` der Würmer ausmachen. Einige Arten haben es auf die Flossen und wenige andere auf die Kiemen ihrer Wirte abgesehen. Das Gewebe zwischen den Flossenstrahlen kann in kurzer Zeit `aufgefressen` sein.  `Kiemenspezialisten` können einen Erstickungstod eines Koi herbeiführen.

                    Empfehlungen zur Vorsorge/BehandlungNachsorge.
Wurmerkrankungen durch Haut- und Kiemenwürmer sind  Infektionskrankheiten. Bei leichtem Befall kann man zunächst versuchen durch gezielte Einzel-Maßnahmen schlimmeres zu verhindern. Sicher ist hierzu eine frühzeitige Diagnose notwendig. Wenn mir ein Koi einen möglichen Wurm `angezeigt` und sich dieser Verdacht durch eigene mikroskopische Untersuchungen bestätigen lässt, bin ich zunächst einmal froh. Dann kann ich dem Fisch in aller Ruhe helfen. Nur mit einer gesicherten Diagnose lassen sich Behandlungen rechtfertigen.  Bei leichtem Wurmbefall bevorzuge ich Salzbäder ( siehe Link) und ich setze ggf. meine Quarantänestationen ein.

Gesunde und gut konditionierte Koi sind in der Lage sich gegen einzelne Würmer zu wehren. Durch eine gute Teichhygiene, gutes Futter und optimale Wasserverhältnisse kann der Halter seine Fische hierbei unterstützen und gewisse Vorsorge treffen. Mit modernen Fein-Filtersystemen lassen sich die freien Larvenstadien und Würmer sicher ausfiltern. Und es gilt, die Resistenz und eine erworbene Immunität der Fische gegen alle natürlichen Krankheitserreger zu erhalten und zu stärken. Der Schleim der Haut und der Kiemen bildet Antikörper, durch die auch Parasiten abgetötet, oder zumindest gehindert werden. Ich unterstütze dies durch geringe Zugaben von Meersalz in meinen Teich. (siehe dazu `Salziges`)
                                 
Wenn Würmer nachweisbar sind, empfehle ich sofort etwas zu unternehmen. Denn bedenken sie eines.  In den Wunden, die  Würmer immer hinterlassen, haben Pilze und Bakterien ein leichtes Spiel. So kann der Befall leicht zu weitaus schwerwiegenderen Folgekrankheiten führen. (siehe Lochkrankheit, Flossenfäule, Sonnenbrand ;-)..... usw.) Beobachten sie ihre Fische regelmäßig.  Achten sie auf die oben beschriebenen, sichtbaren Veränderungen der Haut und der Flossen etc. und weiter auf Flossenklemmen/-schlagen, springen, scheuern, scheinbares abhusten, absondern, abliegen, Atemprobleme, usw..

Wichtig ist zunächst die Unterbrechung der Weiterverbreitung der Würmer. Betroffene Fische sind zu separieren. (Koihalter sollten für diesen Fall immer eine angemessene Quarantänestation `hochfahren` können) Wenn immer es sich verhindern lässt, sehe ich von einer Behandlung des gesamten Teiches ab. Dies funktioniert gut! Warum sollen alle Lebewesen im Teich durch übereilte Hauruck - Methoden in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn nur wenige Fische ein paar Gyrodactylus auf dem Pelz haben?
Wenn tatsächlich eine Teichbehandlung notwendig erscheint, werde ich nur noch Medikamente einsetzen, für die eine entsprechende Zulassung vorliegt. Im Zweifel sichere ich mich durch fachtierärztliche Hilfe ab.

Kennen sie die für Karpfen toxische Dosis von Wofasteril, Formalin, und anderen Mitteln? Welche Langzeitschäden können wir damit anrichten? Ich sehe da nicht durch!
Ein Beispiel: (Schäperclaus 1979)  Bei Verwendung von Kaliumpermanganat zur Bekämpfung von Gyrodactylus können nur Teilerfolge erzielt werden die bestenfalls eine vorübergehende Effektivität von 75% erreichen. //
Die wirksame Konzentration der Tauch - und Kurzbäder mit KPM, Formalin, etc, liegt nahe der letalen Dosis für Fische. Hierin liegt schon mal eine große Gefahr für die Gesundheit unserer Tiere. Das derartige Bäder auch nicht das allgemeine Befinden verbessern, oder gar das Immunsystem der Koi unterstützen können, erscheint mir logisch.  

Tief im Schleim eingebettete Parasiten überstehen  diese Angriffe eh schadlos.
Ob einige ungeborene Hautsaugwürmer in ihren abgetöteten Eltern vielleicht auch überleben können?
Ich denke, hiermit ist eine Begründung für deren Überlebensfähigkeit gegeben.  Daraus schließe ich, dass eine einmalige  (auch hochdosierte)  Behandlung gegen Hautsaugwürmer darum oft nicht den gewünschten Erfolg zeigt. Vollkommen egal welches Mittel eingesetzt wurde.
 
Wenn wir gezielt gegen Würmer vorgehen wollen ist die Berücksichtigung der  temperaturabhängigen Lebenszyklen der Weg zum Erfolg.
Größere Karpfen entwickeln bei Anwesenheit von Parasiten auch eine Immunität die unter optimalen Bedingungen einige Monate erhalten bleibt. Die Immunität hängt natürlich auch von der Befallsstärke und der Temperatur ab. Bei geringem Befall kann man abwägen ob ein Einsatz von Medikamenten überhaupt notwendig erscheint. Halter die über eine Innenhälterung oder Quarantänestation verfügen, sollten dann ggf. auch eine TROCKENLEGUNG ihres Teiches für 5-6 Tage in Erwägung ziehen. Dies ist immer noch die sicherste Methode um Kiemenwürmer nachhaltig bekämpfen zu können.
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Dem, was ich geschaut, gehört,
gelernt habe, gebe ich Vorrang.
  HERAKLIT
("Urworte der Philosophie")
Gefunden im "Taschenbuch der Fischkrankheiten", 1981
 Dr.rer.nat.habil. Erwin Amlacher